Gedankensplitter zu Neurobiologie und Quantenphysik
Geschrieben von Veet Gunter am Juni 15, 2008
Ich tue einmal so, als ob ich das, was ich bei Dürr (und anderen) gelesen habe, verstanden hätte:
- Wer glaubt, etwas zu wissen, weiß nichts – Unsicherheit und Offenheit stehen an erster Stelle.
- Alles Materielle hat lediglich eine zeitlich begrenzte Form.
- Statistiken geben nur Wahrscheinlichkeiten wieder. So ist es heute einigermaßen sicher, dass es mich – statistisch – morgen noch geben wird, aber von Tag zu Tag wird das immer unwahrscheinlicher.
- Dass es diesen „meinen“ Körper gibt, ist biologisch erklärbar – Samenzelle trifft Eizelle, etc. … -, dass daraus aber etwas „entsteht“, das sich Veet nennt, darüber sagt die Biologie nichts aus – kann sie auch nicht, denn die Biologie (wie alle Wissenschaft!) kann NUR etwas über eine zeitlich begrenzte Form (und sei sie auch noch so lang) aussagen, nichts aber über Geist oder eine so genannte „Seele“.
- Marxismus und Kapitalismus sind Ideen (Theorien) des 19. Jahrhunderts und damit überholt – sie basieren auf der klassischen Physik: Der Mensch hier, die Welt dort, die er sich untertan machen und ausbeuten kann, weil er ihre „Bedingungen“ glaubt zu kennen. Spätestens angesichts der Klimakatastrophe sollte klar geworden sein, dass wir prinzipiell nichts vorhersagen oder berechnen können. Wir brauchen Menschen, die nicht nur kognitiv „Welt“ verarbeiten, sondern neue Situationen (auf Grundlage der Quantenphysik: „quellender Urgrund“, kosmisches Bewusstsein, alles ist Eins und sowohl-als-auch, etc.) erleben, sprachlich zu artikulieren lernen (denn Erlebnisse sind meistens nicht auf Anhieb beschreibbar) und umsetzen können.
- Erfahrungen sind Erlebnisse, die ich mir bewusst gemacht (mir mit Wörtern angeeignet) und in mein Leben integriert habe. Daraus leite ich meine persönlichen Schlussfolgerungen ab, die ich als „richtig“ erkenne und erhebe diese zu einem allgemein gültigen Gesetz, mit dem ich andere Menschen manipulieren und zeigen kann, wie intelligent ich doch bin.
- Diese verstandesmäßige Verarbeitung von Erlebnissen lässt die Vernunft aussen vor!
- Vernunft integriert Subjekt und Objekt und erkennt, dass alle Erfahrungen emotional bewertet wurden.
- Eine Diskussion, die in Streit oder Verstimmung ausartet, ist immer eine emotional verstrickte und keine rationale.
- Wir können verschiedener Meinung sein, sollten aber die eigene NICHT höher bewerten als die des anderen, denn wir wurzeln ALLE im Selben. Das zu verstehen bedeutet, andere Kulturen NICHT mit dem Schwert auszurotten, sondern in friedlicher Eintracht mit ihnen zu leben (wie auch mit der Natur), heisst aber auch, dass wir nicht alle gleich sein müssen und an diesem oder jenem Wesen genesen sollen.
- Rationalität kennt nur richtig oder falsch (Dualismus) und ist emotionslos!
- Wir wenden diesen Dualismus aber auch an, um ethische Bewertungen vorzunehmen, die uns die Bibel, der Koran, die Thora, das Grundgesetz, etc. vorzuschreiben versuchen. Diese Ethik ist eine, die von ausserhalb kommt – du sollst nicht …
- Unsere westliche Kultur ist eine aggressive, die so viele Prinzipien des Lebens verletzt, dass sie sich überlebt hat (Ausbeutung menschlicher und natürlicher Ressourcen zugunsten einiger weniger).
- Eine von innen kommende „Ethik“ setzt Vernunft voraus. Vernunft scheint mir etwas Unabhängiges von mir zu sein. Wenn Vernunft „wirkt“ ist ein „Zeuge“ (das Selbst, Urbewusstsein, etc.) da, „der“ nicht wertet, sondern nur konstatiert: so ist es. Dieser „Zeuge“ kann erlebt, aber nicht rationalisiert werden (s. 5.).
- Die Erkenntnisse der Quantenmechanik heissen: Wirklichkeit „ist“ nicht, sie „wirkt“ (Heraklit: nicht Sein – Werden).
- Wirklichkeit hat NICHTS mit Wahrheit zu tun, sondern mit Wahrscheinlichkeiten.
- Die Wahrheit gibt es nicht. Wahrheit ist immer eine Form der Erstarrung, die bestimmen will, was zu tun, zu lassen und zu denken ist.
- Wahrscheinlichkeiten sind offen für das, was wird.
- Angesichts der Quantenphysik können wir uns auf unser Denken nicht mehr verlassen noch reicht es aus.
- Wir haben immer mehr Fragen, aber keine Antworten.
- Wir handeln aufgrund unserer Konditionen und „Erfahrungen“, entscheidend ist aber der Geist, aus dem wir heraus handeln. Künstlerisch Schaffende haben wenig gemeinsam mit Schnäppchenjäger. Und doch sind wir alle irgendwo Massenmenschen. Nichtsdestotrotz existieren wir in dem uns umgebenden Raum-Zeit-Kontinuum als einmaliges Individuum.
- In der Quantenphysik ist nicht entscheidend, dass es uns unmöglich ist, den Ort UND den Impuls eines Teilchens zu messen, sondern dass dieses Bestimmen-Wollen an sich unsinnig ist.
- Ich finde es toll, dass wir uns in einer Welt bewegen, die an sich in der von uns erfahrenen Form gar nicht existiert. Ich lebe in einer Welt, die chaotisch und offen, mit sich selbst im Dialog vertieft ist (Selbstgespräche) und uns eine Form bietet, die ihr nicht kohärent ist.
- Um über einen Ort etwas zu wissen, muss ich da gewesen sein und mich anschaulich in-form-iert haben, um etwas über diesen Ort zu „wissen“.
- Für Quantenzustände (Elektronen, Photonen) gilt das nicht, alle „ahnen“ schon immer alles.
- Unsere Schwierigkeit liegt darin, uns das Ganze vorstellen zu können. Für uns ist das Ganze die Summe seiner Teile, die wechselwirken. Nicht erkennbare Verbindungen werden als nicht vorhanden geleugnet.
- Das Ganze ist etwas anderes als die Summe seiner Teile. Das Ganze ist Möglichkeit und hat mit Realität nichts zu tun. Wir können dem Ganzen nur mit unserem beschränkten Geist gegenüber treten. Wir sehen Teile, die aber nur irgendwie geartete Artikulationen des Möglichen sind.
- Wir können alles dualistisch sehen, aber der Dualismus ist nicht das Problem, denn wie können zwei grundsätzlich unterschiedene Bereiche wie das Körperliche und das Geistige überhaupt voneinander wissen? Es gibt keinen interaktiven Dualismus, denn Interaktion kann NUR zwischen Gleichem stattfinden. Geist und Körperlichkeit haben aber nichts Gemeinsames. Es gibt Botenstoffe in unserem Gehirn (Dopamin, etc.) die zwischen beiden scheinbar vermitteln – findige Altdenker zementieren damit ihren Dualismus. Die Welt IST bereits Interaktion und braucht daher die Trennung im Dualismus nicht. Nichts gegen den Dualismus, aber man sollte wissen, dass Dualität eine sprachliche Hilfskonstruktion ist, mit der wir uns unsere Welt zu erklären versuchen.
- Unsere Sprache hat bisher noch keine Begriffe gefunden, die den Anschein von Verschiedenheit aufheben (Dürrs Versuche, dem quantenphysikalischen Phänomen mit „Wirks“ und „Passierchens“ auf die Sprünge zu helfen, scheitert am Verständnis seiner Kollegen.
- EINE Möglichkeit, sich dem „Ganzen“ zu nähern, ist die Meditation. Durch Konzentration auf die Atmung oder die Lücke zwischen zwei Gedanken, schließen wir unsere sinnliche Erfahrungswelt nach und nach aus, bis es still wird und nur noch ein Erleben jenseits von Erfahrung da ist – das Nichts. Von diesem Erlebnis können wir nach der Rückkehr berichten, aber das Berichtete ist NICHT das Erlebte, es zeugt von einer Ahnung, dass alles Eins ist, die mir widerfuhr.
- Das Leben ist wie das Wirken an einem Teppich. Jedes „Ich“ ist lediglich ein Faden, der in der ihm zugestandenen Zeit am Ganzen wirkt. Der Faden selbst kann immer nur sein eigenes Wirken sehen (meistens nicht einmal das), aber nicht das Ganze. Hat er ausgewirkt, wird sein Platz von einem anderen Faden (Ich) übernommen, der weiter wirkt, aber er selbst ist immer noch im Ganzen ver-wirk-licht – er ist das Ganze, ohne das Ganze zu sein, und doch das Ganze.
Admin sagte
http://syncommmanagement.wordpress.com/
autor sagte
Die Quantenphysik ist aufgrund ihrer Unanschaulichkeit zu einem wahren Eldorado für Eso-Schwurbler geworden, die mit Begriffen wie Verschränkung oder Unschärfe jedwede Übernatürlichkeit, sei´s Gott oder “nur” ein angeblich kosmisches Bewußtsein zu beweisen trachten, frei nach dem Motto “Ich habe keine Ahnung davon also muss was dran sein”
Ich empfehle hierzu ein Stöbern auf dem Blog “Begrenzte Wissenschaft” von Kamenin (http://kamenin.wordpress.com/), für mich eine wahre Fundgrube zu diesem Thema…